Bd. 148 Nr. 3 (2026)
Abhandlungen

„Nur die Freiheit geht der Freiheit voraus“. Existenz und Christentum in der Philosophie Luigi Pareysons

Gianluca De Candia Kölner Hochschule für Katholische Theologie

Biografie

Veröffentlicht 2026-09-01

Schlagwörter

  • Luigi Pareyson,
  • F. W. J. Schelling,
  • Søren Kierkegaard,
  • Karl Barth,
  • Immanenz-Transzendenz-Verhältnis,
  • positive und negative Philosophie,
  • Freiheit Gottes
  • ...Mehr
    Weniger

Abstract

Luigi Pareyson (1918–1991) bestimmt das wesentliche Vermächtnis des Existenzialismus in der scharfen Opposition von Positivem und Negativem, die als unüberbrückbare Alternative erscheint und nach seiner Auffassung aus dem Zerfall des hegelschen Systems hervorgegangen ist. In dieser Perspektive liest er die Existenzphilosophie Søren Kierkegaards, in der die Begriffe von Opposition und Unermesslichkeit zwischen Endlichem und Absolutem nebeneinanderstehen und durch die „dialektische Theologie“ Karl Barths neue Aktualität gewinnen. Dem setzt er jedoch die These einer wechselseitigen „Implikation von Negativem und Positivem“ entgegen, die er als Dialektik von Unermesslichkeit und Teilhabe im Spannungsverhältnis von Immanenz und Transzendenz entfaltet. Diese Denkfigur prägt seinen „ontologischen Personalismus“ sowie seine philosophische Hermeneutik und findet – im Rückgriff auf Schellings späte „positive“ Philosophie – ihren Höhepunkt in der Einsicht, dass auch Gottes Freiheit untrennbar an das Problem des Negativen gebunden bleibt. Daraus resultiert eine radikale Revision der traditionellen metaphysischen Gottesbegriffe, die Pareyson als „begrifflichen Anthropomorphismus“ entlarvt. Zugleich eröffnet er damit zentrale Problemfelder im Blick auf den Gott der christlich-religiösen Erfahrung; insbesondere hinsichtlich der göttlichen Freiheit im Verhältnis zum Bösen und Leiden sowie im Blick auf die Tragweite des „Wortes von der Versöhnung“ (2 Kor 5,19) als hermeneutischem Schlüssel einer universalistischen Deutung christlicher Existenz.