Bd. 148 Nr. 1 (2026): Über Naturalismus und Spiritualität. Im Gespräch mit Thomas Metzinger
Abhandlungen

Aktuelle Herausforderungen der Modellierung minimaler phänomenaler Erfahrungen (MPE) bei Thomas Metzinger. Hemisphärotomie als Fallstudie

Charlotte Gauvry Universität Bonn

Veröffentlicht 2026-03-01

Schlagwörter

  • minimale phänomenale Erfahrungen (MPE),
  • Naturalismus,
  • Bewusstsein,
  • Neurowissenschaft,
  • Borderline-Bewusstsein,
  • Hemisphärotomie
  • ...Mehr
    Weniger

Abstract

Seit 2020 entwickelt Thomas Metzinger ein minimalistisches Modell des „reinen Bewusstseins“, das sogenannte MPE-Modell. Dieses bietet bedeutende deskriptive und explanatorische Vorteile, da es minimale Bedingungen für Bewusstsein identifiziert, die theoretisch neutral und universell für alle Formen des „Bewusstseins als solches“ gelten sollen. Der vorliegende Artikel argumentiert jedoch, dass neuere Kandidaten für minimales Bewusstsein – insbesondere sogenannte Grenzfälle, die durch jüngste Fortschritte in der Neurochirurgie oder medizinischen Biologie aufgedeckt wurden – spezifische Herausforderungen für dieses vielversprechende Modell darstellen. Anhand der Analyse eines solchen Grenzfalls, nämlich der isolierten Hemisphäre nach einer Hemisphärotomie, wird gezeigt, dass diese Herausforderungen primär epistemologischer Natur sind. Denn dieser Fall stellt die minimalistischen und universellen Annahmen des MPE-Modells in Frage. Darüber hinaus sind die Herausforderungen auch ethischer Natur, da Kandidaten für phänomenales Bewusstsein – und insbesondere für Sentienz – möglicherweise einen privilegierten moralischen Status genießen.

Literaturhinweise