Bd. 146 Nr. 2 (2024)
Abhandlungen

Kann es rational sein, ohne ausreichende Belege zum Glauben zu kommen? Eine Diskussion von William James’ „The Will to Believe“im Hinblick auf Pierre Rousselots Theorie der „analysis fidei“

Felician Gilgenbach
Katholische Hochschule NRW, Abteilung Paderborn

Veröffentlicht 2024-06-01

Schlagwörter

  • analysis fidei,
  • Pierre Rousselot,
  • Les yeux de la foi,
  • William James,
  • The Will to Believe,
  • Evidenzforderung,
  • Überzeugungstheorie
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Abstract

Hinsichtlich des theologischen Problems der analysis fidei hat Pierre Rousselot die These aufgestellt, dass der theologale Glaube und die Erkenntnis von dessen Glaubwürdigkeit koinzidieren. Rousselots Theorie scheint fideistisch zu sein, weil ihr zufolge das Zum-Glauben-Kommen in vielen Fällen ohne ausreichende Belege erfolgen muss. William James’ The Will to Believe könnte diesen Einwand eventuell entkräften, da James hier gegen die uneingeschränkte Geltung der Evidenzforderung für religiöse Überzeugungen argumentiert. Allerdings ist James’ Argument nicht stichhaltig, da es den Fehlschluss der falschen Eindeutigkeit begeht. The Will to Believe könnte aber auch so verstanden werden, dass es rational sein kann, ohne ausreichende Belege einer bestimmten religiösen Lebenspraxis zu folgen und entsprechende nicht-doxastische religiöse Annahmen zu treffen. Dies könnte die christliche Theologie zur Theorie eines „Prä-Glaubens“ inspirieren, durch die der Fideismus-Einwand gegen Rousselots Theorie umgangen werden kann.