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Gottesbilder im digitalen Zeitalter. Über den Zusammenhang von Digitalisierung und der Rede von der Gegenwart Gottes

Martin Breul

Abstract

In diesem Artikel analysiere ich den Zusammenhang von Digitalisierung und der Rede von der Gegenwart Gottes. Ich argumentiere dafür, dass die Medienrevolution der Digitalisierung einen großen Einfluss auf klassische theologische Konzepte wie die Rede von der Gegenwart Gottes haben wird. Die Digitalisierung wird sich aus theologischer Perspektive als ambivalent erweisen: Einerseits vergrößert sie die kommunikativen Spielräume des Menschen und erweitert so die Entdeckungszusammenhänge einer christlichen Selbst- und Weltdeutung. Andererseits wird dieser Anstieg in der Quantität von Kommunikationsmöglichkeiten mit einem qualitativen Verlust der Intensität und Authentizität kommunikativer Beziehungen im digitalen Raum erkauft. Unter Rückgriff auf Überlegungen der Philosophie der Verkörperung und der Neuen Politischen Theologie zeige ich auf, dass die Digitalisierung der intersubjektiven Situation eine sinnvolle Ergänzung der menschlichen Kommunikationspraxis sein, sie aber nicht die symbolisch verkörperte Kommunikation in leibhaftiger Interaktion ersetzen kann.

In this paper, I analyze the relationship between digitalization and the concept of God’s presence in the world. I argue that the currently evolving digital age will have a huge impact on theological concepts such as the idea that God’s presence in this world can be discerned by human beings. From a theological perspective, the paradigm of digitalization will turn out to be ambivalent: On the one hand, it extends the possibilities of communication and therefore potentially enlarges the space in which God’s presence may be detected. On the other hand, it reduces the complex and multi-layered forms of intersubjective communication and may therefore impoverish the specific qualities of the human relationship to the world (and, consequently, to God). Drawing on the Philosophy of Embodiment and New Political Theology, I argue that the increase in the quantity of communication opportunities will be counterbalanced by a loss of quality in digital acts of communication. While digitalization can be a useful supplement to intersubjective communication, it cannot replace the symbolic interactions of embodied minds who meet in physical presence.

Schlagworte

Digitalisierung; Gegenwart Gottes; Handeln Gottes; Philosophie der Verkörperung; Politische Theologie

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